Immobilienmarkt der Stadt Bonn
Die Stadt Bonn zählt mit zurzeit etwa 315.000 Einwohnern zu den zehn größten Städten Nordrhein-Westfalens. Die traditionsreiche Universitätsstadt besiedelt beide Ufer des Rheins und gliedert sich in die vier Bezirke Bad Godesberg, Beuel, Bonn und Hardtberg.Nach dem 2. Weltkrieg, in welchem etwa 30 % der Häuser vollständig zerstört wurden, erlebte die Stadt Bonn einen rasanten Aufstieg. Dies ist insbesondere darauf zurück zu führen, dass Bonn am 03. November 1949 zur vorläufigen Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland erklärt wurde.
Das bis dahin beschauliche Bonn war nun Sitz von Parlament und Bundesregierung mit unzähligen Ministerien und Bundesbehörden, diplomatischen Vertretungen, Staatsunternehmen und Lobbyisten. Seit dieser Zeit herrscht in Bonn ein Bauboom, denn es wurden repräsentative und zweckmäßige Gebäude benötigt. Ebenso musste entsprechender Wohnraum für Abgeordnete und Bundesbedienstete sowie deren Angehörigen zur Verfügung gestellt werden. Und natürlich sind all diese Gebäude immer wieder umzubauen, den jeweiligen Ansprüchen anzupassen und instand zu halten.In der Folgezeit erkannten viele Investoren, allen voran Unternehmen aus dem aufstrebenden Dienstleistungssektor, die hohe Kaufkraft der neuen Bonner Bevölkerung, die zu großen Teilen aus gut bezahlten Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes bestand. Zusammen mit der hervorragend ausgebauten Infrastruktur bildete Bonn nun einen idealen Gewerbestandort, der auch einen Boom auf dem privaten Immobilienmarkt nach sich zog. So wurden allein 1992 in der Stadt Bonn 1.172 Wohnungen fertiggestellt. Der Gesamtbestand der zur Verfügung stehenden Wohnungen im Stadtgebiet Bonn erhöhte sich im Jahre 1992 auf 141.629 Einheiten.
Im Jahre 1989 und 1990 erlebten die Bonner durch den Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung einen entscheidenden Wandel, denn der Stadt wurde der Status als Regierungssitz aberkannt. Nach der Ernennung Berlins zur neuen Bundeshauptstadt zogen Parlament und weite Teile der Regierung, zusammen mit all den Abgeordneten, den Bundesbeamten und deren Familien, um nach Berlin. Diplomatische Vertretungen folgten ebenfalls und Bonn musste befürchten, nahezu sämtliche Wirtschaftskraft zu verlieren. Zwar bemühte sich die Regierung, die Stadt Bonn nicht ausbluten zu lassen. Aber die Bevölkerungszahlen gingen 1992 bis 1995 deutlich zurück und viele Gewerbe- und Wohnflächen standen kurzfristig leer.Zum Glück blieben namhafte Unternehmen der Stadt erhalten. Die zwischenzeitlich privatisierte Deutsche Bundespost, die sich in die selbstständigen Firmen Deutsche Post, Postbank, Deutsche Telekom und T-Mobile aufteilte, bauten gar ihre Standorte in der Stadt aus und kompensierten so zumindest teilweise den Wegzug der hochkarätigen Behörden, der Firmen und derer Beschäftigten. Viele Subunternehmer und neue Firmen in den Bereichen Logistik und Telekommunikation nutzten das Umfeld der Marktriesen Post und Telekom und füllten die entstanden Lücken im Bonner Immobilienmarkt, so dass sich die Einwohnerzahlen stabilisierten und gar zusätzlicher Flächenbedarf benötigt wurde. Ende des Jahres 1998 stieg die Anzahl der Wohneinheiten auf 151.911 Wohnungen an.
Aktuell sind in Bonn 160.605 Wohneinheiten vorhanden (Stand 31.12.2007). Gerade in den bevölkerungsreichen Gebieten Nordrhein-Westfalens macht sich der demographische Wandel besonders deutlich spürbar. Zwar gehen in Bonn die Einwohnerzahlen voraussichtlich nicht zurück. Prognosen zufolge wird die Bevölkerung bis 2025 gar auf 341.500 Menschen ansteigen. Für den privaten Immobilienmarkt bedeutet dies dennoch eine enorme Umstellung. Denn bereits Ende des Jahres 2007 waren 70.229 Einwohner Bonns 60 Jahre oder älter. Wohnungsbaugesellschaften und private Investoren müssen demnach künftig besonders die Belange älterer Menschen berücksichtigen. Außerdem werden, insbesondere bei Universitätsstädten wie Bonn, verstärkt kleinere Wohnraumangebote für Singles und Alleinstehende benötigt werden.Im Bereich der gewerblichen Immobilien zählt Bonn nach München, Hamburg, Berlin, Frankfurt und Düsseldorf zu den wichtigsten Bürostandorten Deutschlands. Im Jahr 2007 konnten im Stadtgebiet Bonn etwa 117.000 m² Bürofläche vermietet werden. Lediglich 4,2 % Bürofläche standen leer. Einen besonders hohen Flächenbedarf haben nach wie vor Deutsche Post und Telekom mit ihren Tochterunternehmen.
Auf den ersten Blick scheint es sehr positiv, nahezu alle zur Verfügung stehenden Flächen vermieten zu können. Allerdings ist in der Stadt Bonn kaum noch jemand in der Lage, neuen Investoren ausreichend gewerbliche Flächen anzubieten. In der Wirtschaft gilt ein Satz von 5 % als ideale Restfläche, um dieses Problem zu vermeiden. Für das laufende Jahr 2008 ist daher die Sanierung bzw. der Neubau von weiteren 24.000 m² gewerblicher Fläche geplant.
Bonn steht jedoch vor dem Problem, dass sich im Bereich des Stadtgebiets nur noch wenige bebaubare Flächen vorhanden sind. Aus volkswirtschaftlicher Sicht muss daher für die Zukunft mit einer kräftigen Mietpreissteigerung sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich gerechnet werden. Denn ein knappes Angebot treibt die Preise in die Höhe. Für viele kleinere, junge und aufstrebende Unternehmen wird der Standort Bonn an Attraktivität verlieren, da er schlicht und ergreifend unwirtschaftlich wird. Dann wird die Stadt Bonn potentielle Investoren an Nachbargemeinden verlieren, die von den ausgezeichneten Infrastrukturen der Stadt profitieren können und ihre ausreichend vorhandenen ausbaubaren Flächen wesentlich günstiger anbieten werden.Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Bonn zu den attraktivsten Standorten Deutschlands zählt. Für die Zukunft hat die Stadt, die kaum mehr freie Kapazitäten für neue Wohn- und Gewerbeflächen vorweisen kann, wichtige Entscheidungen zu treffen, wie der vorhandene Raum sinnvoll und effektiv genutzt werden kann. Denn die Stadt Bonn kann auch künftig mit einen Bevölkerungszuwachs rechnen. Um diesen Anstieg meistern zu können, ohne an Wohn- und Standortqualitäten einzubüßen, bedarf es der Schaffung neuer Konzepte, die sowohl den harten, hierzu zählen vor allem die Infrastruktur und die Nahversorgungsstruktur (Einkaufsmöglichkeiten etc.), als auch den weichen Standortfaktoren entsprechen. Denn 341.500 Menschen werden nur dann in Bonn wohnen, wenn sie sich in der Stadt wohl fühlen, wenn genügend Grün- und Erholungsflächen vorhanden sind, wenn ein stimmiges Erscheinungsbild der Stadt zu einem guten Image führt und wenn das Kultur- und Freizeitangebot nicht vollständig der Schaffung zusätzlicher Gewerbeflächen zum Opfer fällt.
